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Johanna Seyfferts Poesiealbum von 1904 - Objekt 2 zum Internationalen Museumstag 2020

Else Fisch schrieb 1904 der 9-jährigen Johanna einen ernsten Spruch ins Büchlein (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)
Das Netzwerk der Freundinnen von 1906 (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)
Johanna Seyffert war Katha Seyfferts Ur-Großtante 4. Grades , die das Büchlein der Verwandten erstmals in Händen hält (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)

Johanna Seyffert war 9 Jahre alt, als sie ihr Poesiealbum begann. In blauem Samt mit kleiner Schließe schmeichelt das Büchlein bis heute in der Hand.
Ihre Freundinnen schrieben zeittypische Sprüche, die in meist schönster Schrift mit spitzer Feder eingetragen wurden. „Beten kann man leise und laut, weil Gott nur in die Herzen schaut“, und selbst den Klassiker „In allen Ecken soll Liebe drin stecken“ findet man. Auch Erwachsene schrieben sich ein: Ins Auge fiel uns der Name Else Fisch, denn sie sollte 15 Jahre nach dem Eintrag als eine der ersten drei Frauen in die Brandenburger Stadtverordnetenversammlung einziehen.
Else Fisch schrieb dem Mädchen einen Sinnspruch nach Karl Ludwig von Knebel (1744 – 1834) in ihr Büchlein:

Schritten des Wanderers im
Schnee sei ähnlich dein Leben:
Es bezeichne die Spur, aber
beflecke sie nie.
Meiner kleinen
Freundin in herzlicher
Liebe gewidmet!
Else Fisch.
1. März 1904

Einzigartig in unserer Sammlung ist das Netzwerk der Freundinnen, die sich 1906 ganz hinten in Johannas Poesiealbum verewigten, sie schrieben Namen, Adresse und Geburtsdatum, damit Johanna auch stets wusste, wann eine der Schulkameradinnen Geburtstag hatte.

Und noch viel einzigartiger ist, dass Johanna Seyfferts Urgroßnichte Katha ihre entfernte und lange verstorbene Verwandte über dieses kleine blaue Album erstmal kennenlernen konnte.