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Poesie für Eingeweihte - Objekt 14 zum Internationalen Museumstag

Der Buchdeckel ist aus geprägtem Leder mit Goldverzierungen gefertigt (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)
Rosen, Tulpen, Nelken und Vergissmeinnicht umkränzen die Fackel der Freundschaft auf dem Deckblatt (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)
Helmina von Chézy ist zwar nicht genannt, die Zeilen stammen aber von der heute fast vergessenen Dichterin (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)

Neben den berühmten „Rosen, Tulpen, Nelken“-Versen erwarten wir in Poesiealben und Stammbüchern Verse von den uns heute bekannten Dichtern. Oft sind die Sprüche in den Alben nicht einmal mit dem Namen des Schhöpfers oder der Schöpferin unterschrieben, aber da hilft eine schnelle Suche im weltweiten Netz. Und damit stellen wir mit dem Poesiealbum der Minna Abel von 1837 auch gleich eine Dichterin vor, die heute nur sehr Wenigen bekannt ist: Helmina von Chezy. Minnas Freundschaftsbuch ist in einem rötlich, mit Mustern geprägten Leder gefertigt, zusätzlich mit goldenen Verzierungen auf dem Deckel verschönert (Abb. 1). Das Deckblatt ist ein Druck, der nachträglich farbig angelegt wurde, auf dem wir die damals üblichen Attribute für Freundschaft, Liebe und Poesie finden. Man entdeckt sogar, wenn man genau hinschaut, die berühmten Rosen, Tulpen, Nelken und das Vergissmeinnicht (Abb. 2).

Liebe, Hoffnung, Muth und Glauben
Müssen kein Geschick Dir rauben
Hat ja doch im ew’gen Licht
Schön’res selbst der Himmel nicht.

Diese „wonnigen Zeilen“ schrieb eine Henriette Neidholdt ihrer Freundin in deren Büchlein (Abb. 3). Helmine von Chézy (1783 - 1856) wird nicht als Schöpferin der Verse genannt, obwohl sie um 1838 eine durchaus bekannte Dichterin war. Ihr Leben war turbulent, angefangen von ihrer ersten Eheschließung mit 16 Jahren, frisch geschieden zog sie ein Jahr später nach Paris und schrieb dort als Korrespondentin für deutsche Zeitungen. Auch ihre zweite Ehe 1805 mit Antoine-Léonard de Chézy hielt nicht lange, der französische Nachname blieb. Mit ihren beiden kleinen Söhnen zog sie 18010 zurück nach Deutschland, lebte ein eher unstetes Leben zwischen Frankfurt, Heidelberg, München und Dresden. Zu ihrem Werk zählt der Text zur Oper „Euryanthe“ von Carl Maria von Weber, ein eigenes Schauspiel, zu dem Franz Schubert die Vertonung erarbeitete und eine reichhaltige Sammlung von Gedichten. In einer Sammlung „Lichtblicke der genialsten Geister“, welches gleichzeitig eine „Quelle der Bildung und Aufwahl der gediegensten Stammbuch- Aufsätze“ sei, finden wir in der Ausgabe von 1840 auch die Verse aus Minna Abels Album, irgendwo hinter denen eines gewissen Herrn „v. Göthe“. Reich wurde Helmina von Chézy mit ihrer schriftstellerischen Arbeit nie, zum Ende ihres Lebens erblindete sie und starb schließlich in Genf in der Schweiz.