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Virtueller Rundgang 37 - Kennen Sie die Tiere des Herrn Caasmann?

Gleitflug, Porzellan, Phillip Rosenthal & Co. AG, Selb, 1914 (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)
Gibbon, Gips, farbig gefasst, 1953 (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)
Pferd, Lineol, VEB Patent-Lineol, Brandenburg, Anfang 1950er Jahre (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)

Eine der längsten Straßen in Brandenburg an der Havel dürfte die Caasmannstraße sein, die von der Umgehungsstraße bis nach Neuendorf führt. Sie wurde 1993 nach Albert Caasmann, Bildhauer, Porzellanplastiker und Lineolfigurenmodelleur, benannt.
Der aus Berlin stammende Caasmann kam 1919 in die Havelstadt und lebte hier bis zu seinem Tod 1968. Am bekanntesten sind wohl die von ihm entworfenen kleinen Spielzeugfiguren aus dem Material Lineol, die hier produziert wurden. Es waren vor allem Tiere und Soldaten, die heute von Sammlern besonders hochgeschätzt werden und in der Spielzeugausstellung im Museum bald wieder zu bestaunen sind. Der Modelleur und Künstler Albert Caasmann hatte ein besonderes Verhältnis zu Tieren. Abgesehen davon, dass zum Haushalt stets ein Hund gehörte, war Caasmann ein genauer Beobachter der Tierwelt in der freien Natur und im Zoo. Das zeigte sich auch in vielen seiner Plastiken, seien sie aus Bronze, Gips oder Porzellan. Zur Sammlung des Stadtmuseums gehören neben der eleganten „Ruhenden Taube“ aus Bronze von 1913 weitere Bildhauerarbeiten, die meist aus Caasmanns letzter Schaffensperiode nach 1945 stammen. Das sind unter anderem eine Katze, ein Seelöwe und ein Gibbon.
Bevor Albert Caasmann nach Brandenburg an der Havel kam fertigte er nach eigener Aussage vor allem Modelle für Kunstporzellane für die Königliche Porzellan-Manufaktur in Berlin, besonders aber für die Porzellan-Fabrik Phillip Rosenthal & Co. AG in Selb in Bayern. Ob seine Modellentwürfe in der Berliner Manufaktur realisiert wurden, ist bisher nicht erwiesen. Die Porzellanmanufaktur Rosenthal in Selb konnte allerdings nachweislich von Albert Caasmann profitieren, denn zwischen 1912 und 1923 entwarf er 40 Kleinplastiken für Selb. Faune, Kinderfiguren, Putten mit Tieren sowie Tiergruppen waren seine Hauptmotive. Die vielfach als volkstümlich zu bezeichnenden Auftragsarbeiten müssen wegen ihrer Beliebtheit in größerer Auflage hergestellt worden sein. Mehrere dieser Porzellanfiguren sind auch bei uns im Haus in der Spielzeugausstellung zu sehen, so die lieblichen Stücke „Schnecke mit Elfe“, der „Gleitflug“ auf einer Libelle oder der „Sommerritt“ auf einer Heuschrecke.