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Virtueller Rundgang 40 - Sandsteinkopf eines "Salzburger Bauern" des Kriegerdenkmals vom Marienberg

Sandsteinkopf des "Salzburger Bauern" (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)
Kriegerdenkmal auf dem Marienberg (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)
Relief mit der Ankunft der Salzburger Protestanten (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)

Heute zeigen wir einen weiteres Objekt, welches von einem verschwundenen Ort in der Stadt stammt.
Für die Geschichte zu unserem heutigen Objekt begeben uns wir an die höchste Stelle des Marienberges. Das Fragment war Teil einer Figur im Sandsteinrelief des Kriegerdenkmals. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 fand sich in Brandenburg an der Havel ein Komitee zusammen, das den Gefallenen aus der Region der Kriege von 1864 (Deutsch-Dänischer Krieg), 1866 (Deutscher Krieg) und 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg) einen Gedenkort schaffen wollte. Der 30 m hohe Gedenkturm nach einem Entwurf von Hubert Stier wurde am 12. August 1880 eingeweiht. An der quadratischen Basis des Turms wurden vier historische Szenen in Reliefs von Rudolf Siemering dargestellt: Der Einzug der Prämonstratenser in St. Gotthardt 1140, die Huldigung Brandenburgs an den Kurfürsten Friedrich I. 1417, die Aufnahme protestantischer Bauern aus Salzburg durch König Friedrich Wilhelm I. 1732 und die Krönung Wilhelms I. zum deutschen Kaiser 1870 in Versailles.
Das Relief, aus dem unser Objekt stammt, zeigt die Vertreibung der Protestanten aus Salzburg durch den dortigen Bischof (links) und ihre Ankunft in Preußen und Aufnahme durch den preußischen König (rechts im Relief). Wie bereits schon unter seinen Vorgängern, siedelte auch Friedrich Wilhelm I. Protestanten aus katholischen Ländern in Preußen an, damit sie durch ihren eng mit dem protestantischen Glauben verbundenen Arbeitsethos die Wirtschaft ankurbelten. Auch wenn sich die Szene nicht direkt in Brandenburg abspielte, so ist doch bekannt, dass fünf Züge von mehr als 400 bis fast 900 Protestanten aus dem Salzburger Land durch die Stadt Brandenburg zogen, hier begrüßt wurden und eine Nacht verbrachten.
Der Kopf des Salzburger Bauern wurde von dem 1945 stark durch Artilleriebeschuss beschädigten Kriegerdenkmal sichergestellt und 1958 dem Museum übergeben.