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Virtueller Rundgang 42 - Haare zur Erinnerung

Erinnerungsbild mit Haaren der Justine Richter, um 1883 (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)

Vor zwei Jahren, 2018 gelangte ein Objekt in unser Haus, welches bei vielen Besuchern Neugier und mitunter auch eine gerunzelte Stirn hervorruft. Das ungewöhnliche Bild ist ein Stück Erinnerungskultur, welches heute im Bewusstsein der Menschen überhaupt keine Rolle mehr spielt. Es handelt sich um ein sogenanntes Haarbild, welche vor allem Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert beim Bürgertum äußerst beliebt und weit verbreitet waren. Die kunstvoll gearbeiteten Bilder hatten einen hohen Erinnerungs- und Andenkenwert und drückten eine starke persönliche Verbundenheit zu einem Menschen aus, die über seinen Tod hinaus währen sollte. Das echte Haar oder die Haarsträhnen wurden schon zu Lebzeiten gegeben und später, meist durch einen Perückenmacher, zu Bildern oder zu anderem Trauerschmuck wie Anhängern und Broschen verarbeitet. In unserem Haarbild (nur 28 x 24 cm groß) wurden in der Schleife Seide und in den Engeln, den Sternen, dem goldenen Rahmen, den Schriftfeldern und den Blumenapplikationen geprägtes und farbiges Papier kombiniert.
Wessen Haare sehen wir hier nun? Die als Blätter und Knospen gebundenen Strähnen stammen von Justine Richter (1847-1883). Sie war die erste Frau von Maschinenbauer Christian Friedrich Richter, der sich 1885, zwei Jahre nach Justines Tod, in Brandenburg niederließ und mit Hilfe des von ihr geerbten Vermögens eine Landmaschinenfabrik in der Wilhelmsdorfer Straße in Brandenburg aufbaute.
Der Text unterhalb der Haarblume lautet übrigens: "Justine Richter geb. Zander geb. d. 5. Septr. 1847, gest. d. 9. Novbr. 1883 - Ein tugendhaftes Weib ist köstlicher, denn edle Perlen".