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Virtueller Rundgang 44 - Spielzeug und Springbrunnen

Rosenbrunnen am Südaufgang des Marienberges, Entwurf 1974 Manfred Schindler, 2. Ausführung 2015 (Foto: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel)
Gabelstapler “Stagor”, VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg, 1967 (Foto: Stadtmuseum Brandenburg/Havel)

Was verbindet Spielzeug aus dem Stadtmuseum mit dem Springbrunnen am Südaufgang zum Marienberg und der Spielspinne des Kinderdorfes des Stahl- und Walzwerkes? Den Gabelstapler, der im VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg in den 1960er Jahren hergestellt wurde, kennen vermutlich noch sehr viele, genauso wie den Brunnen mit der großen Edelstahlrose, der erstmalig 1974 in Sichtachse zur Friedenwarte aufgestellt wurde. Relativ unbekannt dagegen blieb der Schöpfer beider Objekte: Manfred Schindler (1935 – 2016).
Manfred Schindler, in Grimma geboren, absolvierte eine Lehre als Keramikmaler und studierte danach an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin. 1960 bis 1966 arbeitete er als Formgestalter und 1970 bis 1972 als Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung im Brandenburger VEB Mechanische Spielwaren in der Klosterstraße. Er entwickelte hier innovative Spielzeugtypen mit viel Liebe zum Detail. Das waren zum Beispiel der Gabelstapler, die Elektro-Planierraupe, der Trans-Euro-Express, Kranautos, Spezialtransporter, einen Hochkran, das Kettenfahrzeug Polar 2, aber auch den beliebten Autoscooter, wie es ihn in groß im „echten Leben“ gab. Seit 1973 war Schindler, der in Brandenburg blieb, freischaffend tätig. Einen seiner besonderen Entwürfe kann man am Südaufgang des Marienberges genießen, den Rosenbrunnen. Der erste, 1974 gebaute Brunnen musste 1990 auf Grund des schlechten Erhaltungszustandes abgetragen und durch einen gänzlich anderen ersetzt werden. Erst zur BUGA 2015 entstand hier wieder der Brunnen im ursprünglichen Aussehen von 1974. Den Wiederaufbau begleitet Manfred Schindler zu dem Zeitpunkt noch mit wertvollen Hinweisen, nicht lange danach starb er.
Ein anderes Herzensprojekt Schindlers war das Mitte der 1970er Jahre projektierte große freie Gelände des Kinderdorfes des Stahl- und Walzwerkes als Spielparadies. Eigens dafür entwarf er auch die sogenannte Spielspinne, ein kugelförmiges Klettergerüst mit Seilstegen. Ein erstes Modell davon befindet sich im Museum. Auch außerhalb Brandenburgs war Schindler vielfältig tätig. Er entwarf für andere Betriebe ebenfalls Spielzeug, aber auch Keramikgeschirr und Haushaltsgeräte.
Der Brandenburger Rosenbrunnenn blieb zwar nicht der einzige, den Manfred Schindler entwarf, aber soweit wir wissen, der einzige, dessen Entwurf nach mehr als 40 Jahren ein zweites Mal zu einem Brunnen wurde.