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Virtueller Rundgang 6 - Entschuldigen Sie bitte, heißen Sie Maria?

Figur aus Backstein, 14. Jh - 1400
Figur aus Backstein, 14. Jh - 1400 Rückansicht

Büste einer Heiligen (Teil einer dreiteiligen Figur)
Backstein, 14. Jh. - 1400
Fundort: Brandenburg an der Havel, Neustadt, Steinstraße / Ecke Paulinerstraße, 1896
 

Heute geht es wieder in die Ausstellung "FrauenANSICHTEN".
Sie gibt uns Rätsel auf, diese Frauendarstellung aus dem späten 14. Jahrhundert, obwohl sie schon so lange in der Sammlung des Stadtmuseums ist. Gefunden wurde die 42 cm hohe Figur 1896 im Abbruchschutt eines Hauses an der Steinstraße / Ecke Paulinerstraße. Auch wenn wir nichts Genaues wissen, verrät sie doch einiges über sich: am auffälligsten ist neben dem etwas starren Gesichtsausdruck die Krone. Zwar sind über die Jahrhunderte ein paar Zacken aus selbiger gebrochen, doch ist es unverkennbar eine solche! Die Kleidung der Dame ist nur angedeutet, zeigt aber ein überaus kostbares Gewand mit einem Edelsteinbesatz am Dekolleté. Die offenen getragenen Haare sprechen dafür, dass die Dargestellte unverheiratet war. Alles wichtige Hinweise. Danach scheint es sich hier um eine jungfräuliche Persönlichkeit von hohem Rang, vermutlich eine Heilige zu handeln. Nicht auszuschließen ist, dass es sich um eine Darstellung der Hl. Maria handelt, die als jungfräuliche Mutter Jesu und gleichzeitig als Himmelskönigin ausgearbeitet wurde.
Aber wie kommt die Figur in den Schutt? Und wo stand sie vorher? Auch da gibt es Hinweise an der Figur selber. Wenn wir uns die Rückseite anschauen, sehen wir lediglich eine grob verstrichene Fläche mit Resten von Mörtel (und unsere Inventarnummer). Aber genau das ist der Hinweis: Die als sogenanntes Hochrelief gearbeitete Figur stand ursprünglich nicht frei in einem Raum, sondern war fest an einer Wand angebracht und wurde nur von vorne betrachtet.  Sie dürfte einstmals aus drei Teilen bestanden haben und annähernd in „Lebensgröße“ um die 1,20 m hoch gewesen sein.
Und da bleibt eigentlich nur eine Möglichkeit: Die Heilige gehörte zum mittelalterlichen Figurenschmuck der Katharinenkirche!
Wie kommen wir denn darauf? Nach 1380 begann der Neubau der Neustädter Katharinenkirche unter Leitung des um 1350 geborenen und nach 1428 verstorbenen Stettiner Baumeisters Hinrich Brunsberg, der den Bau kurz nach 1400 vollendete. Eine Besonderheit hatte diese Kirche. Bis zur Umgestaltung um 1842 befand sich dort nämlich ein Figurenschmuck an der Außenwand. Dieser umfasste etwa 180 Darstellungen von Heiligen, Aposteln, Propheten und weiteren, nicht genau identifizierbaren Persönlichkeiten. Der mittelalterliche Figurenschmuck war damals schon nicht mehr vollständig, zwei Figuren mit der gesicherten Herkunft sind ebenfalls im Bestand unseres Museums erhalten. Dabei handelt es sich um die Hl. Katharina und die Hl. Amalberga, ebenfalls aus einzelnen Ziegelblöcken gefertigt.
Ob es sich bei unserer Heiligen wirklich um die Hl. Maria handelt, lässt sich leider nicht genau bestimmen, da die restlichen Teile der Figur fehlen. Diese hätten uns mit den dargestellten Attributen, wie beispielsweise bei der Hl. Katharina das Rad geholfen, das Rätsel endgültig zu lösen.